Home
Aktuell
Was ist CreativMIND®?
Seminar / Allgemein
DATEN / PREISE / ORT
Über uns
Kontakt & INFOMAPPE
Denken wie Einstein
Links
Medien
Heilmethode mit Zukunft
SPUREN 70/04
weitere Medienberichte...
Heilung & Bewusstsein
Literatur
Impressum & AGBs
Glossar
Zitate
Galerie
Zu guter Letzt


  
Vielleicht verträumen wir die besten Chancen unseres Lebens und leben wie Schlafwandler in einer Welt, die weniger wirklich ist als unsere Träume. Denn es gibt noch unbekannte Kontinente in unserem eigenen Innern, und betreten können wir sie nur, während wir schlafen.

Von Christine Steiger

Der Zugang ist ein Paradox: Wir müssen hellwach sein und trotzdem in Schlaf versunken, wir träumen zwar, sind dabei aber bei Bewusstsein. Allerdings geht es hier nicht um den gewöhnlichen Traum, in dem wir herumirren wie Mitspieler in einem Film, dessen Handlung ein unbekanntes Drehbuch vorgibt. Das Tor zu den unerforschten inneren Welten ist der luzide Traum, auch Klartraum genannt, in dem wir ebenso im Vollbesitz sämtlicher Sinne sind wie in der Realität. Und dass dies keine Täuschung ist, hat der amerikanische Forscher Stephen LaBerge belegt: Im Labor morsten Versuchspersonen aus dem luziden Traum heraus vorher verabredete Zeichen, die bewiesen, dass sie bei Bewusstsein waren, obwohl sie schliefen. Wenn ich aber im Traum erkenne, dass ich träume, kann ich auch handeln und tun, was ich will. Doch im Gegensatz zur Alltagswirklichkeit besitze ich märchenhafte Fähigkeiten: Ich kann fliegen, zaubern, verwandeln, herbeiwünschen, mit Traumgestalten sprechen. Mir ist alles möglich – aber nur scheinbar. Denn nicht immer gehorcht das Traumland meinen Wünschen. Seine Bewohner führen mich manchmal ganz schön an der Nase herum. Einmal stellte sich mir ein Herr vor, der Schmatz hiess. Aber immer, wenn ich ihn mit seinem Namen anreden wollte, erwiderte er, ich dürfe dabei nicht schmatzen! Ein anderes Mal wünschte ich mir kühn, einem Weisen zu begegnen, ohne zu überlegen, ob der Weise auch mir begegnen möchte. Prompt erschien eine Gestalt, deren Kopf aus lauter abgebrannten Zigarettenkippen bestand. Da löschte es mir buchstäblich ab: Na, gute Nacht, dachte ich enttäuscht – und weg war ich wieder, zurück in die Bewusstlosigkeit katapultiert.

Träum ich oder wach ich?

Meine Reisevorbereitungen für die nächtlichen Abenteuer beginnen am Tag. Je achtsamer und gegenwärtiger ich bin, umso eher «erwache» ich auch im Traum. Das heisst, ich muss mir immer wieder die Frage stellen: Träum ich oder wach ich? Dann sehe ich mich um und überprüfe die Szenerie auf ihren «Realitätsgehalt»: Stimmt etwas nicht? Hängt zum Beispiel ein Bild an der falschen Wand? Sitzt ein fantastisches Monster an meinem Tisch? Bin ich an einem Ort, den ich nicht kenne? Träume können manchmal sehr realistisch sein, aber sie haben keine lange «Vorgeschichte». Man wird unvermittelt in eine Szene versetzt. Darum ist es hilfreich, sich immer wieder in der Alltagsrealität zu fragen, was davor war und wie man herkam. Zwar zweifelt man im Wachzustand nie an der Wirklichkeit des Geschehens, aber die Einübung des Überprüfens und Fragens überträgt sich mit der Zeit in den Traum. «Wach ich oder träum ich?», frage ich dann plötzlich auch eines Nachts und mache eine Probe: Ich persönlich versuche sofort abzuheben und strample wie ein unbeholfener dicker Käfer in die Höhe. Ich glaube, meine Schwerfälligkeit liegt daran, dass ich den Traum immer noch ein bisschen für die Realität halte, und in der Realität kann ich halt nicht fliegen. So hängt diese Überzeugung dann wie Blei an meinen Schuhen. Einmal fragte ich einen schwarzen Hund nach der Uhrzeit, weil ich so fest überzeugt war, nicht zu träumen, dass ich mir gar nicht erst die Mühe machte, in die Höhe zu springen. «Halb neun», erwiderte der Hund höflich. Da wurde ich «klar». Ein anderer Trick besteht darin, dass man sich Szenen einprägt, von denen man immer wieder träumt. Ich träume oft von riesigen Schmetterlingen, die sich auf meine Hand setzen. Also merkte ich mir, dass Schmetterlinge auf meiner Hand ein Hinweis sind, dass ich träume. Das hat einige Male ganz gut geklappt. Aber dann gewann der Traum wieder die Oberhand: «Jetzt geschieht das, wovon ich immer träume», rief ich im Traum begeistert, als sich wieder ein überdimensionaler Schmetterling auf meine Hand setzte, bis er mich ob so viel Ignoranz in den Finger biss. Wahrscheinlich war er extra eingeflogen, um mich zu «wecken». Denn merkwürdigerweise scheinen die Traumgestalten ebenfalls daran interessiert zu sein, dass man «erwacht». Aber ich bin oft einfach zu leichtgläubig und halte die fantastischsten Figuren für real. Einmal begegnete mir ein Frosch in einem grauen Samtwämschen und einem Mützchen auf dem Kopf. «Jö, wie herzig», rief ich begeistert, während sich der Frosch vor Ärger über meinen Unverstand die Mütze vom Kopf riss und die Haare raufte.

Rambos stürzen ab
Hat man es aber endlich geschafft, «luzid» oder «klar» zu werden, wird es erst richtig schwierig. Da stehe ich nun in meiner Traumlandschaft und überlege, was ich tun soll. Das hätte ich besser vorher getan. Denn in der ersten Begeisterung fällt mir immer nur Blödsinn ein. Beglückt düste ich schon durch den Kosmos zwischen Sternhaufen oder flitzte in einem traumhaften Städteflug gratis und franko nach Paris. Gelandet bin ich dann allerdings in einem schäbigen Vorort. Wahrscheinlich war die «Eingabe» zu ungenau. Ausserdem kann ich meistens mein Bewusstsein nicht lange halten, wenn ich sofort auf und davon fliege. Kopfüber stürze ich dann in den nächsten «bewusstlosen» Traum. Der Überschwang an Gefühlen ist absolut schädlich. Jeder emotionale Schub lässt mich den Kopf verlieren. Genau wie in der Wirklichkeit. Mein erster Klartraum wurde durch eine Horrorszene ausgelöst. Sie war so höllisch, dass ich endlich merkte, dass etwas nicht stimmen konnte. Entzückt hexte ich den Albtraum in den Papierkorb des himmlischen PC-Programms und wünschte mir ein Fenster herbei. Riesig und mit einem wunderschönen Sternenhimmel dahinter kam es angerauscht. Und weil ich gelesen hatte, dass man im Traum aus dem Fenster springen muss, um sich aus dem Körper zu lösen und im Astralgewand lustwandeln zu können, nahm ich einen Anlauf und sprang. Dann erwachte ich in meinem Bett. Es gilt also, ruhig und gefasst die Szenerie zu beobachten und nicht wie ein Rambo durch die fremden Wirklichkeiten zu stürmen. Und wenn es auch faszinierend sein mag, magisch in die Handlungen einzugreifen, so ist es doch viel aufschlussreicher, einfach zuzusehen, was geschieht. Denn egal was passiert, passieren kann mir ja nichts! Und wenn es mir trotz aller Unwirklichkeit zu viel werden sollte, genügt es, mit den Augen eine Stelle einige Zeit zu fixieren: Davon erwacht man sofort. Albträume sind auf diese Weise keine Bedrohung mehr. Dafür kann ich den Traum gleich an Ort und Stelle entschlüsseln, indem ich frage, was er für mich bedeuten soll. So wurde ich einmal in einem Hochhaus von einem zweitklassigen Magier namens Papus die Treppe hinunterverfolgt. Ich rannte um mein Leben, bis ich plötzlich «klar» wurde. Da drehte ich mich um und fragte: «Wer sind Sie? Was wollen Sie von mir?» Der Magier verwandelte sich vor meinen Augen in meinen Vater, den ich immer «Paps» genannt hatte, und erklärte, er brauche noch einen Kontakt zu seinen Wurzeln und zu seiner Herkunft. Damals hatten wir die Beziehung abgebrochen.

Fremdes Territorium

So einfach ist es allerdings nicht immer. Die Traumfiguren geben manchmal keine Antwort oder zeigen sich auch sonst nicht sehr entgegenkommend. Sie haben in gewisser Weise ihr eigenes autonomes Leben und sind nicht nur die Kulissenschieber meines Unbewussten. Ich denke, es ist ein bisschen wie im richtigen Leben: Nicht alle meine Impulse und Motivationen sind mir immer völlig bewusst und unter meiner Kontrolle, und Menschen, die mir begegnen, sind zwar nicht ein «Teil» von mir, aber sie lassen sich trotzdem deuten: Als Spiegel meiner eigenen Anteile. So streiten sich die Traumforscher bis heute, ob nun das Traumland ausschliesslich dem Bewusstsein des Träumers entstammt oder eine eigenständige Welt ist, die er in seinem Traum besucht.Daher bin ich der Meinung, dass man diese fremden und auch so fremdartigen Reiche mit gebührendem Respekt besuchen sollte. Manche Traumforscher benehmen sich jedoch eher wie Kolonialisten. Wie einst die Weissen die Eingeborenen testen sie die nächtlichen Ureinwohner. So stellte der deutsche Psychologieprofessor Paul Tholey den Traumgestalten Rechenaufgaben, die sie nur mühsam zu lösen vermochten, statt die Gestalten nach ihren eigenen Qualitäten zu fragen. Oder er bat sie, ihm ein Fremdwort zu nennen, das er selber nicht kennen konnte. Darauf antwortete ihm eine Traumfigur in Sanskrit. Hemmungslos wie ich anfangs war, probierte ich das gleich selber aus, worauf mir eine Gestalt ein Wort in einer Zigeunersprache nannte und die Übersetzung gleich mitlieferte. Letzteres hätte ich aber nach den Regeln des Experiments im Wachzustand herausfinden müssen. «Was es bedeutet, hätten Sie mir nicht sagen sollen!», rief ich darum aufgeregt und war am meisten verblüfft über die Tatsache, dass eine Person, die ja meinem eigenen Unbewussten entstammen sollte, meine Absicht missverstehen konnte. Darum neige ich zu der Auffassung, dass das Traumland nicht ausschliesslich mein eigenes Territorium ist. Aber genau wissen kann ich es natürlich nicht. Es gibt auch Klarträumer, die sich wie Touristen benehmen. Sie suchen vor allem Sex und Fun und befriedigen einfach ihre eigenen Bedürfnisse, ohne sich dafür zu interessieren, was das Traumland ihnen sonst zu bieten hätte. Paul Tholey lehrte beispielsweise seine Sportstudenten, im Klartraum komplizierte Bewegungsabläufe zu trainieren, damit sie in der Realität die damit verbundenen Verletzungsgefahren vermeiden konnten. Das heisst, die Träumer besetzten das Traumland wie fremde Eroberer. Letztlich trugen sie einfach ihren Alltag in die nächtliche Welt.

Fragen vor dem Einschlafen
Ich finde es viel interessanter, auf Forschungsreisen zu gehen. Höflich frage ich die Gestalten, die mir begegnen, ob sie mir helfen können. «Das darf ich nicht», erwiderte mal ein junger Mann in einem unterirdischen Gang, der eine Gruppe von Leuten herumführte. Ob er mir denn einen Rat geben könne, doppelte ich nach. «Die Narbe begleiten, bis sie heilt», lautete seine Antwort geheimnisvoll. Manchmal muss man das Gesagte erst entschlüsseln. Die Sprache des Traums ist eine Sprache der Bilder. «Die Sonne scheint», erklärte mir ein Mann, der in einen Pelzmantel gehüllt war, bedeutungsvoll. Er hatte einen veritablen Katerschnauz und – wer weiss – vielleicht handelte es sich um meinen Kater Micheli, der ebenfalls im Traum unterwegs war. Ich fand seine Antwort ziemlich banal, und vor Enttäuschung verlor ich auch prompt wieder das Bewusstsein. Später erklärte mir Werner Zurfluh, ein Spezialist in luzidem Träumen und ausserkörperlichen Erfahrungen, die Sonne symbolisiere das Bewusstsein. Ich hätte ja bei dem Herrn im Pelz nachfragen können, aber noch sind meine Ausflüge leider von zu kurzer Dauer: Längere Gespräche schaffe ich oft nicht.Darum präge ich mir meine Fragen möglichst schon vor dem Einschlafen ein. Und wirklich gelang es mir eines Nachts, mich darauf zu besinnen. «Was ist der Sinn des Lebens?», fragte ich in eine menschenleere Landschaft hinein. Dann erwartete ich hoffnungsfroh eine umfassende Antwort, aber nichts geschah. Ich hatte das deutliche Gefühl, die falsche Frage gestellt zu haben! Etwas verwirrt stellte ich eine zweite Frage: «Was ist Gott?» Es war, wie wenn ich auf einen Knopf gedrückt hätte. Es riss mir den Boden weg, und ich flog rücklings mit den Füssen voran auf eine riesige Kathedrale zu. «Nicht doch!», dachte ich entsetzt, weil ich mit Institutionen nicht allzu viel anfangen kann. Aber dann fuhr ich an der Aussenwand wie in einem Lift in die Höhe und breitete mich als körperloser Bewusstseinspunkt über den ganzen Himmel aus, der aber auch kein richtiger Himmel mehr war. Ich staunte noch nach dem Erwachen tagelang. Es ist mehr als befremdlich, sich als ich- und gestaltloses, allumfassendes Bewusstsein zu erfahren. Das war mein eindrücklichstes Erlebnis während eines Klartraums.Immer und immer wieder aber machen mich die Traumgestalten darauf aufmerksam, dass ich auch das Leben wie einen Traum betrachten soll. Und das ist meiner Ansicht nach die schönste Rückkoppelung der Klarträume auf die Alltagswirklichkeit: Ich begegne den Menschen mit Respekt und Achtsamkeit und frage mich, was sie für mich zu bedeuten haben und mir sagen wollen. Luzid und klar, versteht sich! Bis ich wieder in die Unbewusstheit zurückfalle – und aus meinen Verhaltensmustern heraus blind agiere wie im Traum.

Wie Sie das Klarträumen lernen
Fragen Sie sich möglichst oft den Tag über «Wach ich oder träum ich?». Überprüfen Sie am Tag immer wieder Ihre Umgebung: Ist sie real? Suggerieren Sie sich vor dem Einschlafen: Ich habe einen Klartraum. Oder: Ich bin mir bewusst, dass ich träume.Prägen Sie sich als Erkennungsmerkmal eine Szene ein, von der Sie oft träumen.Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie träumen, versuchen Sie, etwas Fantastisches zu tun: Sprechen Sie mit Tieren oder Gegenständen. Versuchen Sie zu fliegen.

Literatur:Stephen LaBerge: Hellwach im Traum. Mehr Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung durch bewusstes Träumen. mvg-Verlag, München 1991 (vergriffen).

Paul Tholey/Kaleb Utecht: 
Schöpferisch träumen: Wie Sie im Schlaf das Leben meistern. Verlag Dietmar Klotz, Eschborn 2000.


Werner Zurfluh: Quellen der Nacht. Luzides Träumen und Reisen ausserhalb des Körpers. Ansata Verlag, Interlaken 1996.





Gesteuerter Schlaf: Wohlbefinden durch Traumbeeinflussung:
http://planetopia.de/archiv/2008/planetopia/01_27/4_auswahl.html




Top